gesundheitsreformIm eigenen Land wird es häufig scharf kritisiert, in anderen Ländern hingegen wird es von Politikern immer wieder als positives Beispiel herausgestellt: Unser Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem und die damit verbundenen politischen Interventionen wurden in den letzten Jahren teils neu ausgerichtet, erneuert und so scheinbar – laut Politik – nachhaltig verbessert. Doch ist dem wirklich so? Die Veränderungen und Interventionen der letzten Zeit waren vielschichtig und für manchen Bürger nicht immer zu 100% nachvollziehbar. Die neuste Veränderung wurde erst vor wenigen Monaten zu Beginn des Jahres 2013 rechtskräftig: Die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal wurde hinfällig. Ab sofort ist es den gesetzlich Krankenversicherten erlaubt, auch ohne im Besitz einer ärztlichen Überweisung zu sein, einen Facharzt aufzusuchen zu dürfen. Ausnahmen gibt es jedoch weiterhin für die sogenannten spezialisierten Fachärzte, die eine weitere Untergruppe innerhalb der Fachärzte bilden. Zu diesen gehören zum Beispiel die Radiologen. Wer einen Radiologen aufsuchen möchte, braucht die Überweisung eines Fach- oder Hausarztes. Begründet ist diese Gegebenheit durch z.B. die Strahlenbelastung, die bei speziellen radiologischen Untersuchungen anfällt. Eine radiologische Untersuchung sollte nur auf Anraten eines Arztes durchgeführt werden bzw. nur dann, wenn die Untersuchung zur Absicherung oder Stellung einer Diagnose zu empfehlen oder unausweichlich ist.

Obgleich alle Patienten auch ohne Überweisung des Hausarztes einen Facharzt aufsuchen können, sieht die Realität aktuell ein wenig anders aus. Ziel der Abschaffung der Praxisgebühr und der damit verbundenen Überweisungspflicht war unter anderem das Ziel der Entbürokratisierung des medizinisch-ärztlichen Sektors in der Bundesrepublik Deutschland. Überbelastungen der Ärzte und lange Wartezeiten für die Patienten sollten vermieden werden. Fachärzte hingegen kritisieren diese Veränderungen in der Gesundheitspolitik, denn die Aufgabe des Hausarztes als Mittler und Weiser im nicht geringer gewordenen Ärzte- und Behandlungsdschungel entfällt. Die Überweisung durch den Hausarzt hatte einen für den Patienten nicht immer gleich ersichtlichen, aber dennoch berechtigtenVorteil: Die Fachärzte waren durch die Überweisung angehalten, einen Diagnose- bzw. Handlungsbericht an den behandelnden Hausarzt zurück zu senden. Dieser war so stets über den aktuellen Gesundheitszustand und die Befunde seiner Patienten informiert und konnte so angemessener reagieren und effektiver therapieren. Auch für weitere medizinische Interventionen war und ist dieses Procedere von Vorteil. Viele Allgemeinmediziner empfehlen ihren Patienten weiterhin vor der Aufsuchung eines Facharztes, mit dem Hausarzt Rücksprache zu halten. Auch die Reaktion der Fachärzte in Deutschland ist eine ähnliche: Sie begrüßen das Überweisungsverfahren weiterhin und halten ihre Patienten in der Mehrzahl weiterhin dazu an, einen Termin nur in Verbindung mit einer hausärztlichen Überweisung zu vereinbaren. Das primäre Ziel bleibt somit die größtmögliche Effektivität der therapeutischen und medizinischen Maßnahmen.